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HunsrĂŒckisch
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HunsrĂŒckisch, auch HunsrĂŒcker Mundart oder HunsrĂŒcker Platt, ist ein hochdeutscher Dialekt, der im HunsrĂŒck, durch den die HunsrĂŒck-Schranke verlĂ€uft, gesprochen wird.
Eine VarietĂ€t auf seinem Substrat ist das noch in den drei sĂŒdlichsten Bundesstaaten Brasiliens, in ParanĂĄ, Santa Catarina und in Rio Grande do Sul gesprochene Riograndenser HunsrĂŒckisch.
Contents
âą Verbreitung
âą Deutschland
âą SĂŒdamerika
âą Grammatik
âą Wortbeispiele
âą EinflĂŒsse
âą O-Ton HunsrĂŒck
âą Autoren
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Verbreitung
Deutschland
Der HunsrĂŒck besitzt klare geographische Grenzen, das HunsrĂŒckische allerdings keineswegs. Es greift einerseits ĂŒber den HunsrĂŒck hinaus, kennt aber andererseits auch eine starke innere Differenzierung.
Die Mundarten des HunsrĂŒck werden im Rheinischen Wörterbuch von 1928â1971 dokumentiert, das heute auch digital zugĂ€ngig ist.cite-ref-1[1] Im Mittelrheinischen Sprachatlas, der von 1994 bis 2002 veröffentlicht wurde, wird HunsrĂŒckisch ebenfalls berĂŒcksichtigt.
Das HunsrĂŒckische ist in zahlreiche Ortsmundarten gegliedert, fast jedes Dorf hat seine eigene VarietĂ€t. Die kleinrĂ€umige Struktur der einzelnen Sprachgebiete erwuchs aus den kleinrĂ€umigen Herrschaftsstrukturen im HunsrĂŒck, wo Grenzen oft sogar Dörfer teilten. Auch die kirchlichen Trennungen in (vorwiegend) evangelische oder katholische Gebiete unterstrichen das Trennende.
Auch im HunsrĂŒck ist ein starker und beschleunigter RĂŒckgang im aktiven Gebrauch der Mundart festzustellen. Die Jugend spricht teilweise keine Mundart mehr und versteht nur noch selten ihre speziellen Wörter. Heimatvereine oder Einzelpersonen versuchen mit Mitteln der modernen Kommunikation und Dokumentation, dem entgegenzuwirken.
SĂŒdamerika
â
Hauptartikel
:
Riograndenser HunsrĂŒckisch
Auswanderer haben diesen Dialekt in ihre neue Heimat mitgenommen. Im sĂŒdlichen Brasilien gibt es auch heute noch Gemeinden, in welchen Riograndenser HunsrĂŒckisch aktiv gesprochen wird.
Peter Joseph Rottmann hat die Auswanderung nach Brasilien in seinem Gedicht Der Abschied drastisch thematisiert.
Charakterisierung
Phonologie (Lautsystem)
Die hunsrĂŒckische Phonologie teilt sich in zwei Gruppen; die erste gehört zum RheinfrĂ€nkischen und wird von der Nahe bis ungefĂ€hr kurz hinter Kastellaun gesprochen. Die zweite gehört zum MoselfrĂ€nkischen und wird von Kastellaun bis zur Mosel gesprochen. Die charakteristische Unterscheidung der beiden Gruppen wird durch die dat-das-Linie gebildet. Nördlich, zum Beispiel in Idar-Oberstein, GemĂŒnden, Kirchberg und Boppard heiĂt es dat. Wichtiger aber ist nach Roland Martincite-ref-2[2] eine von ihm Sobernheimer Linie genannte Isoglosse (Mundartgrenze), die beispielsweise östliches Herrd und westliches Heerd (Hirte), östliches Gorrjel und westliches Goorjel (Gurgel), östliches Rerre und westliches Rierer (RĂ€der) trennt. Ăberdies können zur Erleichterung der Aussprache Sprossvokale eingeschoben werden: Dorf wird zu Dooref, Kirche zu Keerisch, Berg zu Beerisch.
An anderen Isoglossen nennt Georg Diener die Unterscheidung von im westlichen HunsrĂŒck gesprochenem o und eu und östlich der Linie Mastershausen-Buch-Mannebach-Nörtershausen geltendes u und ou oder au, also etwa Bruure (Bruder), Hau (Heu). Das d/t zwischen Vokalen wird durch r ersetzt (Rhotazismus); so wohnt in Kappel de Peere Prappel (Peter); er mischd sich fri ous/us de FÀÀrerre (er macht sich frĂŒh aus den Federn). Auf dem Strimmiger Berg hat sich auf einer kleinen Sprachinsel jedoch der Lambdazismus erhalten, bei dem d/t durch l ersetzt wird. Hier wird beispielsweise der Bruder zum Brola, aus beten wird belle und aus baden wird bolle.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Das g zwischen zwei Vokalen entfĂ€llt: Aue, saan (Augen, sagen). Bei dieser breiten Aussprache heiĂt es fĂŒr âBrombeerenâ BrÀÀmerre: Et git kĂ€ brĂ€rer Blaad as en brĂ€d, brĂ€d BrÀÀmerreblaad (Es gibt kein breiteres Blatt als ein breites, breites Brombeerblatt â Spruch aus Siemerre (Simmern) nach Pfarrer R. Christmann, Simmern).cite-ref-5[5]
Im östlichen Teil, zur Nahe hin, wird das r als Zungenspitzen-R gesprochen,cite-ref-6[6] zum Beispiel in Bubach, im nahen Simmern aber nicht.
Konsonanten. Die stimmlosen Laute p, t, k werden oft als b, d, g ausgesprochen. Im MoselfrĂ€nkischen fĂ€llt das n hĂ€ufig nach bestimmten Regeln weg: uus âunsâ, siewen Daach, siewen Auer / Aua, siewe Pund âsieben Tage, sieben Uhr, sieben Pfundâcite-ref-drenda-7-0[7]. Statt des Ich-Lauts hört man sch, statt pf hört man p: Peerd âPferdâ.Regional klingt -er eher wie -a: Haisja (Plural von HaiĂi) âHĂ€uschenâ.
Es existieren unterschiedliche Zahlen von Vokalen und Diphthongen, manche nur in einzelnen Dörfern, z. B. ein sehr offenes Ă€cite-ref-drenda-7-1[7]. Im Gegensatz zum Standarddeutschen gibt es die Vokale ö und ĂŒ nicht, an ihrer Stelle werden meist deren entrundeten Varianten e und i verwendet: Fresch âFröscheâ, iwa âĂŒberâ. Offenes o kann lang sein moole âmalenâ. Regional kann das Schwa (e wie in âsagenâ) betont sein: hel efe âhelfenâ, allerdings mit leicht gerundeten Lippen gesprochen. Manchmal entspricht einem standarddeutschen i im HunsrĂŒckischen ein u, etwa in imdri e, um Dor ef âumdrehen, im Dorfâ, loo hunne, hai inne âda hinten, hier untenâ, Umber, Kund âHimbeere, Kind (Senkung von i zu a und weitere Vokalverschiebungen kommen auch vor, vergleiche etwa die Variantik Kand, Kend, Kind und Kond)âcite-ref-drenda-7-2[7]. Die LĂ€nge der Vokale stimmt nicht immer mit der Standarddeutschen ĂŒberein (rische, feerdisch âriechen, fertigâ). Ohne sprachgeschichtliches Hintergrundwissen ist es nicht immer vorhersehbar, was dem standarddeutschen Diphthong ai, geschrieben âeiâ, im Dialekt entspricht: sein (wie im englischen âLadyâ), sĂ€in, waise, hÀÀsche, lihne âsehen, sein, zeigen, heiĂen, leihenâ. Diphthonge gibt es in Hout (wie im englischen âlowâ), Hoout (wie in âSonneâ) âHut, Hautâ. Vor l und r wird nicht unterschieden zwischen b,d,g und p,t,k: klĂ€we, trei, plaiwe âglauben/kleben, drei, bleibenâ. Die Sprossvokale i und e können zwischen bestimmten Lauten eingefĂŒgt werden: Finef, warem, arisch, Melisch âfĂŒnf, warm, sehr, Milchâcite-ref-drenda-7-3[7], auch zwischen Wörtern: ned esu, dad eloo ânicht so, das daâ. Bestimmte betonte Vokale haben eine ansteigende und dann abfallende Tonhöhe (Tonakzent);cite-ref-drenda-7-4[7] so entsteht ein leichter ârheinischer Singsangâ. Dadurch lassen sich âWegâ und âweichâ, beide wÀÀsch gesprochen, unterscheiden.
Grammatik
Die grammatikalischen Regeln des HunsrĂŒcker Platt Ă€hneln den Regeln des Standarddeutschen.cite-ref-bersch-8-0[8]
Genus
Das Genus weicht in einigen FĂ€llen vom Standardhochdeutschen ab. So sind der Bach und der Salat im HunsrĂŒck weiblich: die Bach, die Salaad. Umgekehrt sind die Brille â de Brill â und die Butter â de Bodder â mĂ€nnlich (wie auch Butter regional mĂ€nnlich ist)cite-ref-9[9]cite-ref-10[10].cite-ref-11[11]
Heint honn eich ât alt Marie-Marlehn
Mirâm scheele Suus siehn wesche gehn;
Det Surelfrenz! war aag derbei;
Unnât Oorschel kimmt noch zu de drei.
Im saarlĂ€ndischen Teil des HunsrĂŒcks ist etwa oft zu hören: Es hott gesaht âMeine Frau hat gesagt.â
Aber auch weibliches Genus wird gelegentlich verwendet:cite-ref-13[13]
De Hannes unn die Kathrin,
se ware schun alt.
Die Verwendung des weiblichen Genus scheint Respekt (z. B. gegenĂŒber Ă€lteren oder âvornehmerenâ Frauen) oder eine gewisse Distanz (z. B. gegenĂŒber Zugezogenen) auszudrĂŒcken. So kann es vorkommen, dass eine zugezogene Frau zunĂ€chst als die Anna, nach der Integration ins Dorfleben aber als das/dat Anna bezeichnet wird.
Die Zahl âzweiâ gibt es im MoselfrĂ€nkischen in drei Geschlechtern: zwien Markolwe (EichelhĂ€her), zwu/zwo SÀÀchomesse (Ameisen), zwĂ€ ĂĂ€schertscher (Eichhörnchen) (vgl. Ă€lteres Hochdeutsch: zween MĂ€nner, zwo Frauen, zwey/zwei HĂ€usercite-ref-14[14]).
Zeitformen
Gegenwart: FĂŒr die Konjugation gelten weitgehend dem Hochdeutschen entsprechende Regeln.cite-ref-bersch-8-1[8] Manche Verben haben ein unregelmĂ€Ăiges PrĂ€sens: sische (kurzer Vokal) âsuchenâ, glĂ€we, glooft âglauben, geglaubtâ.
Vergangenheit: Im HunsrĂŒcker Platt wird hauptsĂ€chlich das Perfekt verwendet. Die Vorsilbe ge- fĂ€llt oft weg: gang, gÀÀĂ, funn, praacht âgegangen, gegessen, gefunden, gebrachtâ. Manche Verben bilden regional ein unregelmĂ€Ăiges Perfekt: hiere â gehoort / gehuurt âhören, gehörtâ.Der Gebrauch des PrĂ€teritums ist auf wenige Verben beschrĂ€nkt, etwa saht âsagteâ, fung âfingâ.
Der Konjunktiv wird mit doun âtunâ gebildet (Ăisch dihd soon âIch wĂŒrde sagenâ), sonst gibt es ihn fast nur bei Hilfsverben: Ăisch hĂ€tt, wĂ€er, mist, kinnt, mihscht, sollt, wesst, kihm, brĂ€ischt, gieft âgĂ€beâ.
Das Futur mit wehre / wĂ€hre wird wie im Hochdeutschen oft durch das PrĂ€sens ersetzt, bei Futur fĂŒr Vermutungen steht es meistens: Dat werd schun goud gihn âDas wird schon gut gehenâ.
Das Passiv wird regional mit gen âgebenâ gebildet Dou ges net gefroot âDu wirst nicht gefragtâ, so auch â(zu etwas) werdenâ: Ăisch gen noch vareckt âIch werde noch verrĂŒcktâ.
Kasus
Der Genitiv wird hingegen nicht verwendet, auĂer als sogenannter partitiver Genitiv: Wivill Ăppel prouchste fier dein Ăppelschmeer? â Ăisch hollen er immer finef. âWie viele Ăpfel brauchst du fĂŒr dein Apfelmus? â Ich nehme immer fĂŒnf.â Hier ersetzen es / er vorher erwĂ€hnte Mengenangaben, wie in anderen rheinischen Dialektencite-ref-15[15] und im NiederlĂ€ndischencite-ref-16[16] und vergleichbar dem italienischen âneâcite-ref-17[17] und dem französischen âenâ.cite-ref-18[18] Standarddeutsch entsprechen ihm teils âwelcher/welche/welchesâ, teils âdavonâ oder eine Nullstelle: Wivill Kunner wellen se dann? Se wellen er nur trei. âWie viele Kinder wollen sie denn? Sie wollen nur drei.â
Beispiel Dativ statt Genitiv: dĂ€mm seine Brorer âdessen Bruderâ, dat Hous vom Pitt âPeters Hausâ
Pluralbildung
Die Pluralbildung folgt bis auf eine Ausnahme den Regeln des Hochdeutschen. Endet im Hochdeutschen die Pluralform mit -en, dann endet sie im HunsrĂŒcker Platt mit -e.cite-ref-bersch-8-3[8]
| Sprache | Singular | Plural |
|---|---|---|
| HunsrĂŒckisch | die Zeidung | die Zeidunge |
| Deutsch | die Zeitung | die Zeitungen |
Wortbeispiele
Im HunsrĂŒckischen gibt es eigenstĂ€ndige Wörter, die im Hochdeutschen nicht oder so nicht vorkommen. Umgekehrt existieren manche hochdeutschen Wörter im Platt nicht, etwa wird âbekommenâ durch kreie, ânehmenâ durch holle ersetzt: (zou)holle â(zu)nehmenâ. âDieser / diese / diesesâ: dat Peerd eloo / hai âjenes, dieses Pferd da (hinten) / hier (beim Sprechenden)â; loo dĂ€ / loo dei / loo dat; auch dĂ€ loo, dei loo, dad eloo.
Beddseicher = BettnÀsser. Angelehnt an die medizinische diuretische Erfahrung wird der Löwenzahn so genannt (vgl. frz. pissenlit, niederl. bedzeiker).
Bischordna oder Bidschordna = von frz. jardin âGartenâ. Alte MittelhunsrĂŒcker Bezeichnung fĂŒr Garten. Nachgewiesen seit frz. Besetzung. Kurzform Bi nur noch selten gebrĂ€uchlich.
Breadly Woman = englisch Bread and Woman. Seit amerikanischer Besatzung gelĂ€ufige Bezeichnung fĂŒr Brot. Hintergrund sind Hilfeleistungen amerikanischer Soldaten in Form von frischem Brot fĂŒr die gebeutelte Bevölkerung nach Kriegsende. Vorzugsweise junge Frauen wurden mit Brot bedacht.
DÀÀz, Schwelles = Birne (Kopf)
Geheischnis/GehĂ€ischnis = Vertrauen, Geborgenheit, menschliche WĂ€rme (Wortstamm von âGehegeâ, âhegenâ)
Grumbeere/Krumbier/Gumbi = Die Kartoffeln (Grundbirnen/ErdÀpfel/Kartoffeln) werden mit dem Kaarscht, einer dreizinkigen Hacke, ausgemacht.
maije/meie = sich mit einer oder mehreren Personen austauschen bezw. unterhalten.
Laiskaul = Genick (LĂ€usegrube)
leppsch = fad, geschmacklos.
ei, Ă€i = na, ja, ja aber, nun, Ă€h am Satzanfang, meist vor Antworten, bedeutet Nachdruck, Verwunderung, naheliegender Vorschlag, Denkpause. Ăi allemoo(l), Ăijoh, Ă€ijoooh, sescher! Ăi nÀÀ! = bekrĂ€ftigendes Zustimmen / Ablehnen: âja natĂŒrlich / nein, ĂŒberhaupt nicht!â Wat soll Ă€isch ewaile mache? - Ăi gih daiescht hĂ€im; Ăi (Pause), gih daiescht hĂ€im. âWas soll ich jetzt machen? â Na, geh zuerst nach Hause; Ăhm, âŠâ
Muufel = Maulvoll (vgl. Handvoll), bildhaft fĂŒr ein kleiner Bissen
Imms/Imbs = Imbiss. Zum Imms/Imbs wird man eingeladen (Beispiel bei Familienfesten, aber auch der Leichenschmaus)
Schinnooz = Schinderaas. Vor allem fĂŒr böse Frauen verwendet
Flabbes und Stickel/Schdickel fĂŒr einen dummen unbeholfenen Menschen (nach dem VerbindungsstĂŒck von der Radnabe zum oben dem Wagen aufliegenden Leiterbaum)
Schlambambes/Schalumbes/Schnorkes = Bezeichnung fĂŒr einen flatterhaften Menschen
Hannickel. Nach dem frĂŒher hĂ€ufigen Vornamen Johann Nikolaus, der von den HunsrĂŒckern bequem zu Hannickel zusammengezogen wird, hieĂen die HunsrĂŒcker Arbeiter im Ruhrgebiet alle die Hannickel. Hannickel ist auch Synonym fĂŒr einen ungewandten Menschen.cite-ref-19[19] Ăhnliche Varianten ermöglichen auch andere Namensformen; so wird beispielsweise aus Johannes Peter die Kurzform Hampit (wie in Jakob Kneips gleichnamigem Roman) oder aus Johannes Paul Hannappel.
Knubbespaller = Holzklotzspalter. Die spöttisch gemeinte saarlĂ€ndische Bezeichnung fĂŒr die frĂŒher als âGastarbeiterâ im Saarland als Holzhauer tĂ€tigen HunsrĂŒcker.
eepsch = ungeschickt oder auch falsch. Sowohl in Bezug auf Personen, als auch auf die andere (rechte) Rheinseite. Vgl. SchÀl Sick
meggalisch = vor allem in einigen Orten des VorderhunsrĂŒcks verwendete höchste Steigerungsform im Sinne von âganz besondersâ, âauĂergewöhnlichâ, âwunderbarâ; wenn einem eine abendliche Festveranstaltung beispielsweise besonders gut gefallen hat, dann war der Abend meggalisch schie.
Ooh Ăifall! = Ach was, Unsinn! (von âEinfaltâ).
Zouversiecht = Unordnung, Durcheinander
EinflĂŒsse
In die HunsrĂŒcker Mundart sind auch viele Begriffe aus der französischen Sprache eingegangen:
| Französisch | HunsrĂŒckisch | Standardhochdeutsch | Standardhochdeutsch |
|---|---|---|---|
| (se) gĂȘner | schenniere | sich genieren | sich genieren |
| allez [= geht!] | allee [= vorwÀrts] | | |
| lĂ | loo | hier oder da | hier oder da |
| trottoir | Troddewa | Trottoir (veraltet oder landschaftlich) | BĂŒrgersteig |
| parapluie | Parbel | Parapluie (veraltet oder scherzhaft) | Regenschirm |
| bagage | Baggasch | Bagage (im ersten Sinne veraltet) | GepÀck oder auch umgangssprachlich Gesindel |
| chaise longue | Schisselong | Chaiselongue (veraltet) | Sitz- und Liegemöbel |
| chute [= Fall, Sturz] | Schutt [= ein krÀftiger Schauer (Satzbeispiel: Et hot e Schutt genn. ); siehe auch luxemburgisch: Schluet] | | |
Auch aus dem HebrÀischen stammen Lehnwörter:
âą DĂ€ is im Dalles (von jiddisch dalles, von aschkenisch-hebrĂ€isch ŚŚŚŚȘ dallus âNotâ) = dem geht es wirtschaftlich schlecht (vgl. Dalles = âArmut, Notâ)
âą Schaales = ein (oft von jĂŒdischen Familien) in einem BrĂ€ter im Backes (Backhaus) zubereiteter Kartoffelkuchen, der Dibbekouche
Mundart-Audiothek
Um kĂŒnftigen Generationen die Vielfalt der HunsrĂŒcker und anderer Mundartvarianten mit ihren vielen Nuancen zumindest bruchstĂŒckhaft auch phonetisch als gesprochene Sprache zu ĂŒberliefern, hat der Heimatforscher Dr. Norbert J. Pies in der Familienstiftung Pies-Archiv, Forschungszentrum VorderhunsrĂŒck die Mundart-Audiothek gegrĂŒndet. Ziel ist es unter anderem, einerseits möglichst viele örtliche Mundartvarianten zu archivieren und sie andererseits anhand standardisierter Texte wissenschaftlich vergleichen zu können.
O-Ton HunsrĂŒck
Seit April 2014 wurde von Josef Peil in Zusammenarbeit mit dem HunsrĂŒck-Museum Simmern ein Dokumentationsprojekt initiiert das die aktuelle Alltagssprache im HunsrĂŒck, das HunsrĂŒcker Platt, wiedergibt.cite-ref-20[20]
Mea spreche Deitsch
FĂŒr sein Projekt âMea spreche Deitschâ fĂŒhrte Tafarel Schmitt aus Brasilien, Gastwissenschaftler beim Institut fĂŒr Geschichtliche Landeskunde, im April 2024 Interviews im HunsrĂŒck-Museum Simmern zu den unterschiedlichen HunsrĂŒcker Dialekten. Diese nahm er per Video auf um sie dann mit dem heutigen HunsrĂŒckisch in Brasilien zu vergleichen.cite-ref-21[21]
Autoren
Literatur
âą Georg Walter Diener: HunsrĂŒcker Wörterbuch. M. SĂ€ndig, Niederwalluf 1971. ISBN 3-500-23370-8, ISBN 3-253-02337-0.
âą Bernd Bersch: Wörterbuch: HunsrĂŒck heiĂt Honsreck â HunsrĂŒcker Dialekt â Hochdeutsch und umgekehrt â sowie Grammatik â Honsregger Platt â Hudeitsch on emgekiert â suwie Grammatik. 3., ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage, Kontrast-Verlag, Pfalzfeld 2024. ISBN 3-941200-95-X, ISBN 978-3-941200-95-1.
âą Georg Drenda: HunsrĂŒcker Platt. Dialekte zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar. Hrsg. vom Institut fĂŒr Geschichtliche Landeskunde an der UniversitĂ€t Mainz e. V. Röhrig UniversitĂ€tsverlag, St. Ingbert 2019. ISBN 3-86110-741-4, ISBN 978-3-86110-741-5.
Weblinks
Commons
: HunsrĂŒckisch
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Verzeichnis:Deutsch/HunsrĂŒcker Mundart
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikisource: Der Abschied (Rottmann)
â Quellen und Volltexte
âą Projekt O-Ton HunsrĂŒck
âą Dialektseite zum Hundemer Platt
⹠Heimatverein Abentheuer e. V.: 12 Geboode, Esse, De Uli von da Hedd; Die Hedd, inkl. Werdabuuch (Wörterbuch), 12 Geboode
âą HunsrĂŒcker Platt (in heimat123.de)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Rheinisches Wörterbuch. Im Auftrag der PreuĂischen Akademie der Wissenschaften, der Gesellschaft fĂŒr Rheinische Geschichtskunde und des Provinzialverbandes der Rheinprovinz auf Grund der von Johannes Franck begonnenen, von allen Kreisen des Rheinischen Volkes unterstĂŒtzten Sammlung bearbeitet und herausgegeben von Josef MĂŒller, Heinrich Dittmaier, Rudolf SchĂŒtzeichel und Mattias Zender. 9 BĂ€nde. Bonn/Berlin 1928â1971.
cite-note-22. â Roland Martin: Untersuchungen zur rhein-moselfrĂ€nkischen Dialektgrenze. In: F. Wrede (Hrsg.): Deutsche Dialektgeographie. Heft XI a, Marburg 1922 (zitiert in Diener).
cite-note-33. â Norbert J. Pies: Vom Belle, Bolle und Hure â Einige TĂŒcken des Strimmiger Platts. In: Die Pies-Chronik Nr. 59/2015, S. 14.
cite-note-44. â Norbert J. Pies: Besonderheiten im Strimmiger Platt oder warum die Strimmiger das âLâ so sehr lieben. In: Jahrbuch 2016 fĂŒr den Kreis Cochem-Zell, S. 207â209.
cite-note-55. â Zitiert von Diemer, S. 46.
cite-note-66. â Beispiele auĂer wenigen ErgĂ€nzungen aus Diener.
cite-note-drenda-77. â Georg Drenda: HunsrĂŒcker Platt. Dialekte zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar. Hrsg.: Institut fĂŒr Geschichtliche Landeskunde an der UniversitĂ€t Mainz e. V. Röhrig UniversitĂ€tsverlag, St. Ingbert 2019, ISBN 978-3-86110-741-5, S. 105, 27 ff., 75, 82, 43 ff.
cite-note-bersch-88. â Bernd Bersch: Wörterbuch: HunsrĂŒck heiĂt Honsreck â HunsrĂŒcker Dialekt - Hochdeutsch und umgekehrt - sowie Grammatik. Kontrast, Pfalzfeld 2012, ISBN 978-3-941200-27-2, S. 144â148.
cite-note-99. â Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Butter
cite-note-1010. â Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1, Leipzig 1793, S. 1282, Stichwort Butter
cite-note-1111. â Diener, S. 44, 46, 52.
cite-note-1212. â Peter Joseph Rottmann: Gedichte in HunsrĂŒcker Mundart. 4., vermehrte Auflage. VoigtlĂ€nder, Kreuznach 1989, S. 142.
cite-note-1313. â Horst Hohl: De verlorene Brustlappe. Steggelcher on Sprich on Lieje. Fischer, Kastellaun 1981, S. 9
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